Leistungen der sozialen Betreuung

 

Zielsetzung und Schwerpunkte der sozialen Betreuung

 

Die ganzheitliche soziale Betreuung der Bewohner ist eine gemeinsame Aufgabe aller Mitarbeiter. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich alle Arbeitsbereiche an der Umsetzung beteiligen.

 

Die Ziele, Schwerpunkte und Maßnahmen der sozialen Betreuung orientieren sich in erster Linie an den individuellen Ressourcen und Bedürfnissen der Senioren, die bei uns ihren Lebensabend verbringen.

 

Da ein großer Teil unserer Bewohner unter einer beginnenden oder weiter fortgeschrittenen Demenz, oft in Zusammenhang mit einer Altersschwermut oder Depression, leidet, beziehen wir einzelne Elemente aktueller therapeutischer Konzepte in die Pflege und soziale Betreuung mit ein.

 

Die Beschreibung der Ziele und Maßnahmen erfolgt – ähnlich wie in der Pflege und in der Hauswirtschaft – in Anlehnung an das Pflege- und Strukturmodell von Monika Krohwinkel. Das gemeinsame Ziel der Pflege, Betreuung und Versorgung besteht nach dem Modell von Krohwinkel darin, die Fähigkeiten des alten Menschen, seine Unabhängigkeit und sein Wohlbefinden so weit und so lange wie möglich zu fördern und zu erhalten und ihm beim Umgang mit belastenden existenziellen Lebenserfahrungen zu helfen.

 

1. Aufbau von Beziehungen und Vertrauen

 

Der Abschied vom eigenen Zuhause und der Umzug ins Altenheim ist für jeden Menschen eine existenzielle Lebenserfahrung, die nach und nach bewältigt werden muss. Alle Mitarbeiter im Wichern-Haus sind sich dessen bewusst und arbeiten zusammen, um dem neuen Bewohner die Orientierung und das Einleben im Heim zu erleichtern.

 

Bei der Einsatzplanung für die Pflegekräfte und sonstigen Mitarbeiter achten wir auf eine möglichst große Kontinuität der Betreuung.

 

Wir verstehen die Beziehungspflege als Grundlage der Altenpflege. Das heißt für uns:

  • Der Bewohner ist nicht in erster Linie ein Patient oder ein Pflegebedürftiger, sondern ein Gesprächspartner und eine Person, die von den Mitarbeitern ganzheitlich wahrgenommen und so weit wie möglich in Überlegungen und Entscheidungen miteinbezogen wird.
  • Die Beziehung zum Bewohner steht im Mittelpunkt (nicht seine Krankheit).
  • Die Gestaltung der Beziehung, das Interesse für den Bewohner und der Aufbau von Vertrauen sind für die Mitarbeiter genauso wichtig wie die fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten.
  • Die Pflege, Versorgung und Betreuung ist individuell angepasst, variabel, zusammenhängend und zielgerichtet.

Es ist unser Ziel, jeden Bewohner liebevoll zu akzeptieren, so wie er ist. Grundlage aller Begegnungen ist die unbedingte Wertschätzung dem Bewohner gegenüber, Respekt vor seinem Alter und seiner Persönlichkeit, Verständnis und Geduld.

 

2. Biografie und Ressourcen

 

Beim Erstgespräch und in der ersten Zeit nach dem Einzug werden nach und nach persönliche Daten und lebensgeschichtlich bedeutende Ereignisse erfragt und in die Pflegeanamnese und Bewohnerbiografie aufgenommen. Die Pflegekräfte und die Ergotherapeutin fragen auch nach den Vorlieben und Abneigungen beim Essen, besonderen Bedürfnissen, Gewohnheiten, Problemen, Einschränkungen, Hobbys und Interessen. Die gesammelten Informationen werden notiert und in die individuelle Pflegeplanung mit einbezogen.

 

Der Begriff Biografiearbeit bezieht sich in der Altenpflege einerseits auf die Arbeit der Mitarbeiter und andererseits auf den Bewohner selbst. Mit Respekt, Anteilnahme und echtem Interesse durchgeführt, kann die Biografiearbeit dazu beitragen, dass die Mitarbeiter die Persönlichkeit des alten Menschen besser verstehen und ganzheitlich wahrnehmen. Bei dementen Bewohnern, die sich selbst nicht mehr gut mitteilen können, bilden oft die Angehörigen eine "Brücke" zur Biografie und zur Vergangenheit des Bewohners.

 

Auch für den Bewohner selbst kann es wichtig sein, an seiner Biografie zu arbeiten. Im Alter leistet jeder Mensch individuell und unterschiedlich ausgeprägt Biografiearbeit. Manche Bewohner möchten schmerzliche Lebenserinnerungen lieber verdrängen und nicht mehr darüber sprechen, so wie sie es vielleicht ihr ganzes Leben lang gemacht haben. Andere versuchen, sie nachträglich zu verarbeiten und anzunehmen. Die Lebensrückschau macht es ihnen möglich, ihr Leben zu ordnen und einen Sinn darin zu sehen. Die Mitarbeiter können den Bewohner durch aktives Zuhören, Gespräche und Verständnis bei seiner Biografiearbeit unterstützen oder eine seelsorgerliche Begleitung vermitteln.

 

Für die Pflegenden und Betreuenden ist es in jedem der beiden Fälle wichtig, Kenntnisse über die historischen und kulturellen Gegebenheiten zu erwerben, um einordnen zu können, welche Ereignisse und Bedingungen die Kindheit und Jugend der heute 80jährigen und 90jährigen Bewohner geprägt haben.

 

3. Die Milieugestaltung und Tagesstrukturierung

 

Jeder Bewohner im Heim benötigt Unterstützung, um sich orientieren und zurechtfinden zu können. Die Umgebung ist im Wichern-Haus auf allen Etagen und in allen Fahrstühlen durch unterschiedliche Farben und Hinweisschilder gekennzeichnet. Neue Bewohner und ihre Angehörigen werden ermutigt, das Zimmer mitzugestalten und vertraute Möbel, Bettwäsche, Bilder, Fotos und andere Erinnerungsstücke usw. mitzubringen, die den Bewohner an seine Biografie und sein früheres Zuhause erinnern. Neben der Zimmertür steht der Name des Bewohners; die Tür kann außerdem, damit sie leichter gefunden wird, individuell gekennzeichnet werden.

 

Ziel der Milieugestaltung ist die größtmögliche Anpassung der Lebensumwelt an die Ressourcen, Bedürfnisse und geistigen Defizite des Bewohners. Er soll sich sicher und geborgen fühlen und gleichzeitig vielfältige Anregungen und Kontakte erfahren, ohne überfordert zu werden. Es ist wichtig, dass die Lebensumwelt für den einzelnen Bewohner überschaubar, wohnlich, freundlich und angenehm ist und Möglichkeiten zum Umherwandern und für den Rückzug und das Ausruhen bietet. Besonders demenzkranke Bewohner sind auf eine beschützende und unterstützende Umwelt angewiesen, die Freiraum und größtmögliche Selbstständigkeit ohne Überforderung gewährleistet. Auch für bettlägerige Bewohner soll die Umgebung anregend, stimulierend und individuell gestaltet sein.

 

Für ausreichende Beleuchtung ist gesorgt, was besonders für depressive und sehbehinderte, aber auch für demente Bewohner wichtig ist.

 

Der Garten mit überschaubaren Wegen und Sitzgelegenheiten ist ans Haus angebunden und ohne Barrieren und Hindernisse zu erreichen. Er ist so angelegt, dass er auch dementen Bewohnern einen beschützenden und abwechslungsreichen Rahmen bietet.

 

Ein Aquarium in der Eingangshalle lädt zur gezielten Wahrnehmung der Farben und Bewegungen der unterschiedlichen Fische und Pflanzen ein; weitere Haustiere (Hund, Hühner, Gänse, Schafe) können in nächster Nähe beobachtet und/oder gestreichelt werden.

 

Nicht nur die Umgebung, sondern auch der Tagesablauf wird so weit wie möglich auf die Bedürfnisse des Bewohners abgestimmt. Die Unterstützung bei der Körperpflege am Morgen, die Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten, die Andachten und die verschiedenen Angebote und Veranstaltungen am Vor- und Nachmittag teilen den Tagesablauf in überschaubare und vorhersehbare Zeitabschnitte. Die zeitliche Orientierung wird durch große Kalenderblätter und Uhren gefördert. Bewohner, denen es schwer fällt, sich zu erinnern oder zu orientieren, werden von den Mitarbeitern an Zeiten und Termine erinnert und zu Veranstaltungen hingebracht und abgeholt.

 

4. Kommunizieren können

 

> Kommunikation mit Bewohnern

 

Die Kommunikation umfasst viele verschiedene Aspekte, z.B. die Wahrnehmung (des Pflegebedürftigen, der Angehörigen und der Mitarbeiter), Nähe und Distanz, das aktive Zuhören oder das Schwer-Hören, das Sehen und Sprechen, die Mimik und Gestik, die Körperhaltung und die Berührung. Eine Grundvoraussetzung für eine verständnisvolle, unterstützende Kommunikation besteht zunächst darin, dass individuelle Einschränkungen der Bewohner (beim Sehen, Hören oder Sprechen) von allen Mitarbeitern berücksichtigt werden.

 

Für die Kommunikation mit dementen Bewohnern gelten z.B. folgende Regeln:

  • Blickkontakt aufnehmen, aufmerksam zuhören
  • Gestik und Mimik beachten
  • nicht nur die Worte, sondern auch die „Botschaft“, den Gefühlsinhalt wahrnehmen
  • langsam, ruhig und deutlich sprechen
  • kurze, einfache Sätze verwenden
  • Wichtiges geduldig wiederholen
  • klar und eindeutig kommunizieren
  • für eine freundliche und stressfreie Atmosphäre sorgen
  • Handlungen erklären und mit Gesten und Gebärden zeigen/vormachen
  • liebevoll Humor einsetzen

> Das Realitäts-Orientierungs-Training (abgekürzt: ROT)

 

hat das Ziel, beim Sprechen mit alten Menschen, die Gedächtnis- und Orientierungsstörungen haben, die zeitliche, örtliche und persönliche Orientierung zu fördern. Für Bewohner, die noch nicht unter einer fortgeschrittenen Demenz leiden, ist es in bestimmten Situationen hilfreich, dass die Mitarbeiter sie bei der Orientierung in der Realität unterstützen und korrekte Äußerungen positiv verstärken und unzusammenhängende/verwirrte Äußerungen taktvoll korrigieren.

 

> Die validierende Grundhaltung

 

Kommunikation auf der Grundlage der Validation kann ein wichtiges Element im Umgang mit verwirrten Bewohnern sein. Validation heißt wörtlich Gültigkeitserklärung. Damit ist gemeint, einfühlend und wertschätzend mit sehr alten desorientierten Menschen zu kommunizieren und ihre Gefühle als für sie gültig (= valide) anzuerkennen.

 

Wichtiger als einzelne „Techniken“ der Validation für die Kommunikation mit dementen Bewohnern ist für uns die validierende Grundhaltung, die die grundsätzliche Erlebenswelt und die Gefühle des dementen Bewohners akzeptiert, ohne sie zu „korrigieren“, zu beurteilen oder auf der logischen Ebene darüber zu diskutieren.

 

> Erinnerungspflege

 

Die Erinnerungspflege ist eine Form der Biografiearbeit, die speziell für Demenzkranke entwickelt wurde. Sie hilft dem alten Menschen und oft auch seinen Angehörigen angenehme Erinnerungen und Gefühle aus der Vergangenheit aufzufrischen und davon zu erzählen. Durch alte Fotos, Bilder, Gegenstände, Düfte, Geschmackserlebnisse, Musik und körperliche Aktivitäten (z.B. Tanzen, Kochen, Backen, Malen) wird gezielt das Altgedächtnis aktiviert und ein Erinnern möglich gemacht.

 

Das gemeinsame Erinnern soll Freude machen, die Kommunikation bereichern, die Identität des Demenzkranken stärken und die Lebensqualität erhöhen. Dabei orientiert sich dieser Ansatz nicht an den Defiziten, sondern an den noch vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten des alten Menschen.

 

> Basale Stimulation

 

Die Basale Stimulation ist eine Form der Kommunikation zwischen einem darin geschulten Mitarbeiter und einem Bewohner, der in seiner Wahrnehmungsfähigkeit stark eingeschränkt ist und nicht mehr auf der sprachlichen Ebene kommunizieren kann.

 

Hinter dem Begriff Basale Stimulation steht das Konzept, Menschen mit großen Wahrnehmungsverlusten so anzuregen, dass sie wieder mit sich und ihrer Umwelt in Kontakt treten. Dies geschieht durch die bewusste, aufmerksame Zuwendung zu diesen Menschen und durch das ausgewählte Angebot unterschiedlicher Kommunikationsformen, die nicht an Sprache gebunden sind, z.B. Kontaktaufnahme über die Haut durch Berühren, Fühlen, Tasten, usw.

 

Unsere Ergotherapeutin hat Fortbildungen in Basaler Stimulation besucht, hausinterne Fortbildungen für die Pflegekräfte sind geplant.

 

> Das Snoezelen

 

Im weitesten Sinne ist auch das Snoezelen eine Form der Kommunikation mit Menschen, die aufgrund ihrer Demenz oder Depression oder aus anderen Gründen unter großen Einschränkungen ihrer Wahrnehmung und Lebensqualität leiden und schwer "erreichbar" sind. Das Snoezelen ist eine Wahrnehmungs- und Entspannungsmethode, die in angenehmer Umgebung z.B. mit sanften Geräuschen, Musik, Gerüchen und Lichteffekten die Sinne anregen und das Wohlbefinden fördern soll.

 

Zurzeit überlegen wir, wie und in welchem Umfang wir Angebote im Snoezelen für Bewohner im Wichern-Haus möglich machen können.

 

5. Sich beschäftigen können

 

> Bedeutung und Zielsetzung der Beschäftigung

 

Beschäftigung vielfältiger Art ist notwendig, um die körperliche, seelische und geistige Gesundheit zu erhalten. Sich beschäftigen bedeutet, "zielgerichtet einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen".

 

Die Bedeutung und die Art der Beschäftigung ändern sich im Lebenslauf. Viele Jahre lang hat die tägliche Arbeit im Beruf, Haushalt und Garten das Leben der Bewohner bestimmt und die Zeit ausgefüllt. Dabei stand die Pflichterfüllung oder das Sichern des Lebensunterhaltes im Vordergrund. Für Hobbys und andere Freizeitaktivitäten blieb wenig Zeit und Raum.

 

Im Alter und im Altenheim gibt es plötzlich viele Stunden am Tag zu füllen und zu gestalten. Manche Bewohner sehen es als eine "Belohnung" des Alters, nicht mehr arbeiten und nicht mehr körperlich aktiv sein zu müssen. Sie möchten umsorgt und bedient werden. Unterhaltung und Abwechslung finden sie beim Fernsehen, beim Lösen von Kreuzworträtseln oder bei Gesprächen mit anderen Bewohnern.

 

Viele Bewohner leiden aber auch darunter, "nichts mehr tun", "nichts mehr leisten" zu können, "nicht mehr gebraucht" zu werden. Sie benötigen Unterstützung bei der Suche nach neuen sinnvollen Beschäftigungen. In wie weit ein Mensch im Alter neue Aufgaben oder neue Arten der Beschäftigung annehmen kann, hängt von seiner Biografie, seinen Interessen und Fähigkeiten ab. Deshalb ist es wichtig, bei der Planung der Aktivitäten die individuelle Lebensgeschichte, die Ressourcen und die körperlichen und geistigen Einschränkungen des Bewohners zu berücksichtigen und mit ihm zusammen Möglichkeiten der Beschäftigung zu besprechen und ihn gezielt auf Angebote und Veranstaltungen hinzuweisen, einzuladen und zu begleiten.

 

Neben den individuellen Aspekten gibt es für die Beschäftigung übergeordnete Zielsetzungen:

 

  • Erhaltung und Förderung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten
    (z.B. Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis, Ausdauer, Geschicklichkeit, usw.)
  • psychische Stabilisierung und Aufzeigen neuer Perspektiven
  • Erhaltung und Förderung der Alltagskompetenzen
  • Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmung
  • Stärkung der Selbstwahrnehmung und des Selbstvertrauens
  • Förderung des seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens
  • Möglichkeit zur Entspannung, Ablenkung, Unterhaltung und Geselligkeit
  • Förderung der Kreativität, Freude am Aktiv- und Kreativsein
  • Anregung der Wahrnehmung mit allen Sinnen

 

> Handlungs-, alltags- und erlebnisorientierte Beschäftigung

 

Um den genannten Zielen und den individuellen Interessen und Bedürfnissen der Bewohner zu entsprechen, stellt die Ergotherapeutin für jede Woche ein Programm mit gezielten Angeboten zur Beschäftigung und Förderung vielfältiger Fähigkeiten zusammen. Ein besonderer Schwerpunkt ist das gemeinsame Singen, Spielen und Erleben.

 

Zu den Gruppenangeboten gehören z.B.:

  • Basteln und Malen
  • Kochen und Backen
  • Gedächtnistraining
  • Spielen (Gesellschaftsspiele, Bingo)
  • 10-Minuten-Aktivierung

Für einige Bewohner ist es wichtig, auch im Altenheim noch Aufgaben übernehmen zu können. Ein Beispiel ist der Heimbeirat. Manche Bewohner helfen gern beim Tischdecken und Abräumen, andere beteiligen sich an der Herstellung der Heimzeitung oder an der jahreszeitlichen Dekoration des Hauses. Bewohner, die eine musikalische Begabung oder ein besonderes Hobby haben, werden ermutigt und unterstützt, ihre Fähigkeiten und ihr Hobby auch im Altenheim auszuüben. Beispiele dafür sind: Klavier spielen, Gitarre spielen, Singen, Gedichte vortragen, Laubsägearbeiten. Manche Bewohner haben Freude daran, ab und zu nach Absprache mit der Ergotherapeutin die Sing- oder Spielgruppe allein zu betreuen, die Andachten musikalisch zu begleiten, bei einem besonderen Anlass zu musizieren oder etwas vorzutragen.

 

Bettlägerige und schwerstpflegebedürftige Bewohner werden von der Ergotherapeutin und anderen Mitarbeitern in ihrem Zimmer besucht und einzeln betreut.

 

Beispiele für die Einzelbetreuung sind:

  • Gespräche
  • Vorlesen
  • Esstraining
  • Anregung der Wahrnehmung und Förderung des Wohlbefindens
    durch Musik, Gerüche, Bewegung und Berührung (siehe Basale Stimulation, Snoezelen)

 

> Schwerpunkt Bewegung

 

Bewegung wirkt in jedem Lebensalter positiv auf die Körperfunktionen (z.B. das Herz-Kreislauf-System, die Durchblutung des Gehirns, die Atmung, den Appetit, die Verdauung, den Gleichgewichtssinn) und fördert den Schlaf und das allgemeine körperliche und seelische Wohlbefinden. Die Fähigkeit, sich selbständig bewegen zu können, oder die Einschränkung der Mobilität entscheidet mit darüber, wie unabhängig ein Bewohner noch sein kann und beeinflusst so viele seiner Lebensbereiche.

 

Die Beweglichkeit und die Freude an der Bewegung kann bis ins hohe Alter durch geeignete Angebote gefördert werden. Dadurch werden gleichzeitig auch die Bedürfnisse nach sinnvoller Beschäftigung und Gemeinschaft in einer Gruppe gefördert. Individuelle Vorlieben oder Abneigungen, krankheitsbedingte Einschränkungen und das Prinzip der Freiwilligkeit müssen dabei allerdings berücksichtigt werden.

 

Im Wichern-Haus können Bewohner teilnehmen an

  • Gymnastik für Senioren
  • einem speziellen Bewegungsprogramm zur Sturzprophylaxe
  • Sitztanz
  • Spielen mit Bewegung
  • begleiteten Spaziergängen
  • Tanzveranstaltungen (z.B. "Tanz im Mai")

Ein wichtiges Ziel ist es, auch demente Bewohner, die unter einer großen inneren Unruhe leiden und manchmal Tag und Nacht umherwandern, so lange wie möglich in die Gruppenangebote und -aktivitäten mit einzubeziehen und ihnen Gelegenheit zu geben, sich in einem beschützten Rahmen bewegen und beschäftigen zu können.

 

Die Pflegekräfte unterstützen bettlägerige Bewohner bei der Mobilisation und führen im Rahmen der Grundpflege und Prophylaxen Bewegungsübungen durch.

 

6. Soziale Bereiche des Lebens sichern

 

Soziale Beziehungen tragen, wenn sie gepflegt und als positiv empfunden werden, zur Lebensqualität und Zufriedenheit der Bewohner bei und verlangsamen den geistigen Abbau.

 

Zusätzlich zu den schon vorher genannten Zielen und Maßnahmen ergeben sich für die soziale Betreuung für uns folgende Schwerpunkte:

 

  • Unterstützung des Bewohners nach dem Heimeinzug beim Einleben und bei der Kontaktaufnahme
  • Überwindung oder Vermeidung von Einsamkeit und Isolation
  • Freude an gemeinsamen Festen, Veranstaltungen und Ausflügen
  • Stärkung der Eigenverantwortlichkeit in der Gemeinschaft
  • Förderung oder Verbesserung der Kommunikation und des sozialen Verhaltens im Umgang mit anderen Bewohnern
  • Begleitung und Unterstützung bei zwischenmenschlichen Konflikten
  • Beratung und Begleitung bei persönlichen Problemen
  • Unterstützung bei der Ausübung des Wahlrechtes
    (z.B. Bundestagswahl, Heimbeirat)
  • Kontaktpflege zum örtlichen Gemeinwesen
  • Besuche in anderen Einrichtungen und in Kirchengemeinden
  • Einladungen an externe Gäste und Gruppen ins Wichern-Haus
  • regelmäßige Kontaktpflege zu den Angehörigen und Angehörigenabende

 

7. Mit existenziellen Erfahrungen umgehen können

 

> Unterscheidung der Lebenserfahrungen nach Krohwinkel

 

Monika Krohwinkel unterscheidet bei den existenziellen Erfahrungen

 

  • Erfahrungen, die die Existenz gefährden, zum Beispiel:
  • die Aufgabe der eigenen Wohnung und der Verlust von Unabhängigkeit
  • der Verlust von sozialen Beziehungen,
  • Trauer, Trennung, Isolation,
  • Angst, Sorge, Stress, Misstrauen,
  • Langeweile, Ungewissheit, Hoffnungslosigkeit,
  • schwere oder chronische körperliche Krankheiten,
  • psychiatrische Erkrankungen mit belastenden Symptomen,
  • Schmerzen und auch das Sterben bzw. die Angst vor dem Sterben.

  • Erfahrungen, die die Existenz fördern und unterstützen:
  • Wiedergewinnung von Unabhängigkeit und Selbständigkeit,
  • gebraucht werden, nützlich sein, etwas bewirken können,
  • für andere wichtig sein,
  • Integration, Vertrauen, Respekt, Anerkennung,
  • Sympathie, Liebe, Zuwendung, Wohlbefinden,
  • Zuversicht, Freude, Hoffnung.

  • und Erfahrungen, die gefährden oder fördern können:
  • persönliche Lebenserfahrungen (Lebensgeschichte)
  • Weltanschauung, Glaubens- und Religionsausübung
  • kulturelle Hintergründe.

Aufgabe der Pflege und der sozialen Betreuung ist es, die fördernden und die gefährdenden Erfahrungen und Bedingungen zu erkennen und entweder zu fördern und zu unterstützen oder den Bewohner bei der Bewältigung der belastenden Erfahrungen zu begleiten.

 

> Möglichkeiten der Begleitung bei gefährdenden Erfahrungen

 

Die gefährdenden und belastenden Erfahrungen treten oft in Zusammenhang mit kritischen Lebensereignissen auf. Die Art und Weise, wie ein alter Mensch mit solchen Situationen umgeht, hängt weitgehend davon ab, welche individuellen Bewältigungsstrategien er in jüngeren Jahren entwickelt hat. Manchmal tragen Krisen auch dazu bei, das bisherige Leben neu zu bewerten, Probleme zu verarbeiten und daran zu wachsen und zu reifen.

 

Wenn sich im Alter die belastenden Ereignisse und Veränderungen häufen, braucht der Bewohner angemessene und einfühlsame Unterstützung. Die erste und wichtigste Aufgabe der Mitarbeiterinnen ist es, diese Situationen bewusst wahrzunehmen und zu erkennen, die einen Bewohner belasten und gefährden, und ihn so zu begleiten und zu unterstützen, dass er sich verstanden und nicht allein gelassen fühlt und fachliche Hilfe erhält.

 

Je nach Anlass und Umfang der Krise müssen Gespräche angeboten oder vermittelt und Fachärzte und/oder Seelsorger hinzugezogen werden. Auch der Abschied vom Leben wird nicht tot geschwiegen, sondern bewusst thematisiert und angesprochen. Bei der Sterbebegleitung arbeiten die Mitarbeiter/innen des Wichern-Hauses mit den Angehörigen und dem örtlichen Hospizverein zusammen.

 

 

> Bedeutung der fördernden Erfahrungen

 

Im Rahmen der aktivierenden und fördernden Altenpflege muss darauf geachtet werden, eine Überversorgung der Bewohner von seiten der Mitarbeiter zu vermeiden. Eine Pflege und Betreuung, die die Selbständigkeit und die individuellen Fähigkeiten des alten Menschen in den Vordergrund stellt, fördert und stärkt das Selbstwertgefühl, die Zuversicht und die Lebenszufriedenheit der Bewohner. Das Leben im Heim soll so gestaltet werden, dass sich jeder als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft ernst genommen und angenommen fühlen kann. Die individuelle Planung der Ziele und Maßnahmen, verständnisvolle Kommunikation, sinnvolle Beschäftigung und die Zusammenarbeit aller Arbeitsbereiche ermöglicht es dem einzelnen Bewohner, trotz vorhandener Probleme, Einschränkungen und Defizite positive Erfahrungen zu machen und sein Leben in Frieden und Würde zu vollenden.

 

> Umgang mit den Erfahrungen, die fördern oder gefährden können

 

Lebensgeschichtliche Erfahrungen können einen Menschen positiv oder negativ beeinflussen und bis ins hohe Alter hinein prägen. Erinnerungen an vergangene Erlebnisse können den einen bereichern, glücklich und dankbar machen und einen anderen kränken und bitter werden lassen.

 

Auch religiöse Erfahrungen haben unterschiedliche Auswirkungen. Für Außenstehende ist es manchmal sehr schwer, z.B. bei der Zugehörigkeit eines Bewohners zu einer Kirchengemeinde oder einer Sekte, zu unterscheiden, ob und in wie weit ein alter Mensch daraus Kraft und Zuversicht schöpft oder möglicherweise durch bestimmte Einflüsse belastet und eingeengt wird. Grundsätzlich gilt, dass die Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung des Bewohners auch im religiösen Bereich bis zum Tod respektiert wird. Christliche Werte und Seelsorgeangebote werden im Wichern-Haus ernst genommen, aber niemandem aufgedrängt. Wenn der berechtigte Eindruck entsteht, dass ein Bewohner unter religiösen oder kulturellen Einflüssen leidet, kann es im Ausnahmefall nötig oder sinnvoll sein, mit ihm und seinen Angehörigen und entsprechenden anderen Personen darüber zu sprechen.

 

Wenn Bewohner unter einer fortschreitenden Demenz leiden, ist es für sie oft nicht mehr möglich, Probleme, Krisen und unverarbeitete Erinnerungen zu bewältigen. Sie benötigen dann eine behutsame und liebevolle Unterstützung von Mitarbeitern, die sich bewusst sind, dass sie selbst auch einmal auf diese Art von Unterstützung angewiesen sein könnten. Demenzkranke Bewohner einfühlsam zu begleiten, setzt voraus, dass die Mitarbeiter ein Problembewusstsein in Bezug auf ihre eigene Prägung und Bewältigung von Problemen entwickelt haben und mit eigenen Krisen umgehen können.

 

Ein Zitat:

"Pflegemitarbeiter berichten, dass sie sich selber durch eine Veränderung der Strukturen im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen in einer Art und Weise erlebt haben, die sie früher nicht für möglich gehalten hätten. Indem man sich mit der Herausforderung Demenz oder Depression kreativ auseinander setzt, entspannt man sich selbst und lernt Dinge hinzu, von denen man gar nicht wusste, dass man sie in sich trägt. Das wirkt sich auch positiv auf das eigene Privatleben aus. Man kommt nicht mehr so erschöpft von der Arbeit, man hat mehr Kraft für den Partner, die Familie und für Freunde. Die Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen, Menschen mit Depressionen und psychischen Veränderungen führt so auch zu persönlichen Entwicklungs- und Reifeprozessen."

 

(Kuratorium Deutsche Altershilfe, aus: Qualitätshandbuch Leben mit Demenz, 2001)

 

Quellenangaben

 

  1. Die Pflege des Menschen im Alter – Ressourcenorientierte Unterstützung nach den AEDL
    Mechthild Seel und Elke Hurling, Brigitte Kunz Verlag, 2002

  2. Pflegeplanung für Menschen mit Demenz
    Barbara Messer, Schlütersche Verlagsanstalt, 2004

  3. Demenzielle Erkrankungen – Medizinische und psychosoziale Interventionen
    Hans Gutzmann und Susanne Zank, Verlag W. Kohlhammer, 2005

  4. Altenpflege als Beziehungs- oder Bezugspersonenpflege
    Erich Grond, Brigitte Kunz Verlag, 2000

  5. Pflege Demenzkranker
    Erich Grond, Brigitte Kunz Verlag, 2005

  6. Altersschwermut
    Erich Grond, Ernst Reinhardt Verlag, 2001

  7. Erinnerungen pflegen – Unterstützung und Entlastung für Pflegende und Menschen mit Demenz
    Angelika Trilling, Errolyn Bruce, Pam Schweitzer u.a., Vincentz Verlag, 2001

  8. Erinnern – Eine Anleitung zur Biografiearbeit mit alten Menschen
    Caroline Osborn, Pam Schweitzer, Angelika Trilling, Lambertus-Verlag, 1997

  9. Basale Stimulation in der Pflege – Die Grundlagen
    Christel Bienstein, Andreas Fröhlich, Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte, 2006

  10. Erinnern – Eine Anleitung zur Biografiearbeit mit alten Menschen
    Caroline Osborn, Pam Schweitzer, Angelika Trilling, Lambertus-Verlag, 1997

  11. Basale Stimulation in der Pflege – Die Grundlagen
    Christel Bienstein, Andreas Fröhlich, Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte, 2006


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