Geschichte und Zielsetzung des Vereins

I. Geschichte des Wichern-Hauses und der Herberge

 

1885 wurde von einigen engagierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Uelzen, Mitgliedern der Kirchengemeinde St. Marien, der "Herbergsverein zur Heimath" gegründet, der sich die Aufgabe stellte, auf christlicher Grundlage hilfsbedürftigen Mitmenschen zu helfen. Außerhalb der damaligen Stadtmauern wurde das Haus gebaut, das im Kern noch heute in der Niendorfer Straße steht.

 

In den ersten Jahrzehnten war die Vereinstätigkeit in erster Linie auf die Unterbringung und Betreuung wandernder Handwerksgesellen und Wanderarbeiter ausgerichtet. Später kamen arbeits- und obdachlose Männer hinzu. Viele ältere und junge Menschen, die mit ihrem Leben nicht mehr zurechtkamen, fanden in der Herberge eine offene Tür und Hilfe.

 

Nach dem Regierungsantritt der Nationalsozialisten verringerte sich die Zahl der umherziehenden Männer, und 1936 wurde die Wanderarbeitsstätte offiziell geschlossen. Die Partei beabsichtigte zu diesem Zeitpunkt, die Herberge für ihre Zwecke zu nutzen. Um dieses zu verhindern, wandelte der Verein die Herberge in ein Altenheim für Männer um und betrieb von da an die Herbergsarbeit nebenbei.

 

Während des zweiten Weltkriegs und in den Nachkriegsjahren fanden viele Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei, dem Sudetenland und den Ostgebieten des Deutschen Reiches in dem Haus eine erste Unterkunft. Die Herberge, in der für Durchreisende 16 Betten bereit standen, wurde nach verschiedenen Umbaumaßnahmen in den 50er Jahren durch einen separaten Eingang von dem Altenheim abgetrennt.

 

1956 bekamen das Heim und die Herberge den Namen "Altenwohn- und Pflegeheim Wichern-Haus" , und der Verein wurde zum "Altenwohnheim Wichern-Haus e.V." um-benannt. Der Name "Wichern-Haus" erinnert an den evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern, der im 19. Jahrhundert den Blick der Öffentlichkeit auf die Verantwortung der Christen für soziale Fragen und Nöte ihrer Mitmenschen lenkte. Er gründete in der Nähe von Hamburg das Rauhe Haus, ein Waisenhaus und Kinderheim, und gilt als "Vater" der Inneren Mission.

 

Der Schwerpunkt der christlichen Betreuungsarbeit des Wichern-Haus-Vereins verlagerte sich damals von den obdachlosen Männern auf alte und hilfsbedürftige Mitbürger. 1963 wurde im erweiterten Wichern-Haus, das damals 60 Plätze hatte, auch eine "Frauenabteilung" eingerichtet.

 

In den Jahren von 1980 bis 1982 wurde an das Heim ein Neubau angefügt, und 1990 und 1998 wurden in zwei Abschnitten die vorhandenen Räumlichkeiten saniert und viele Zimmer in moderne Einzelzimmer mit integrierter Nasszelle umgewandelt. Die Herberge mit 8 Übernachtungsplätzen für obdachlose Männer ist seit 1995 in das Wohnhaus Niendorfer Straße 61 verlegt worden, gehört aber weiterhin zum Wichern-Haus, das auch in diesem Jahrhundert "Herberge zur Heimat" für hilfsbedürftige Mitmenschen sein möchte.

 

II. Zielsetzung des Vereins Wichern-Haus e.V.

 

Der Verein Wichern-Haus e.V. ist der Träger des Alten- und Pflegeheimes Wichern-Haus mit heute 83 Plätzen und der Herberge mit 8 Plätzen.

 

Der Verein Wichern-Haus e.V. ist Mitglied des Diakonischen Werkes der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und damit dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland angeschlossen

 

Nach wie vor ist es das Ziel des Vereins, auf bewusst christlicher Grundlage

 

a) pflegebedürftige, körperlich kranke und körperlich behinderte Personen sowie Personen, die die notwendigen Verrichtungen des täglichen Lebens nicht allein erledigen können, zu pflegen, zu betreuen und hauswirtschaftlich zu versorgen und

b) alleinstehenden und mittellosen Männern, die keine Wohnung haben und sich auf der Durchreise befinden, zu helfen.

 

Zu diesem Zweck betreibt der Verein

 

a) sein Wichern-Haus als eine dem allgemein anerkannten medizinisch-pflegerischen Erkenntnisstand entsprechende stationäre Pflege- und Alteneinrichtung und

b) eine Übernachtungsstätte für den oben genannten Personenkreis.

 

Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke und ist selbstlos tätig.

 

Mitlieder des Vereins können Personen werden, die gewillt sind, den Vereinszweck zu fördern und die kirchliche Eigenart des Werkes zu wahren.

 

Die Mitgliederversammlung trifft sich mindestens einmal im Jahr. Sie beschließt alle grundsätzlichen Angelegenheiten des Vereins.

 

Der Vorstand des Vereins wird in geheimer Wahl von der Mitgliederversammlung für jeweils 4 Jahre gewählt und besteht aus dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem Schatzmeister und dem Schriftführer und eventuell noch einem Beisitzer.

 

Die Mitglieder des Vorstandes gehören einer christlichen (überwiegend der evangelisch-lutherischen) Kirche an. Der Vorsitzende des Vorstandes ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche.

 

Der Vorstand hat die Aufgabe, die Arbeit des Vereins nach den Beschlüssen der Mitgliederversammlung durchzuführen. Er ist zuständig für die Einstellung leitender Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und arbeitet eng mit ihnen zusammen.

 

Die Mitgliederversammlung und der Vorstand können Prüfungsaufträge zur Beurteilung der Qualität, der Wirtschaftlichkeit, der Leistungsfähigkeit und des personellen sowie des sachlichen Aufwandes unter Einbeziehung von Preis-, Leistungs- und Qualitätsvergleichen mit vergleichbaren Einrichtungen erteilen.


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